Keine Treffen von mehr als zwei Personen, ein Mindestabstand von 1,50m und die Einschränkung sozialer Kontakte so weit wie möglich – das sind nur drei Punkte der von der Bundesregierung und den Landesregierungen verhängten Bestimmungen, um die Ausbreitung des Corona-Virus COVID-19 zu verlangsamen.

Was notwendig ist, um unser Gesundheitssystem nicht zu überlasten, hat Auswirkungen auf unser psychisches Wohlbefinden. Denn Menschen sind soziale Wesen. Nähe und Kontakt zu anderen ist auf emotionaler Ebene wichtig für uns und die verordnete soziale Distanz kann negative Folgen für unsere psychische Gesundheit haben.

Extrovertiert – Was heißt das?

Extrovertiertheit ist (genau wie die Introvertiertheit) eine Persönlichkeitseigenschaft, die beschreibt, auf welche Art und Weise ein Mensch mit sich und seinem Umfeld agiert: Der Introvertierte ist eher zurückhaltend, nachdenklich und ruhig – allerdings oft auch als übersensibel, unauffällig und verschlossen; seine Haltung ist tendenziell nach innen gerichtet; der Extrovertierte ist gesprächig und aktiv, gilt als kontaktfreudig und spontan, enthusiastisch und aufgeschlossen für Neues – allerdings auch als unüberlegt, auffällig und dominant; seine Haltung ist nach außen gerichtet. Dabei ist es ein Vorurteil, dass sie einfach nur laut, auffällig und oberflächlich sind. Vielmehr sind sie wahre Meister des Small Talks und können bei den richtigen Aufgaben – z. B. als Dozenten im Bereich der Fort- und Weiterbildung oder als Alleinunterhalter auf der Bühne – Teilnehmende oder Publikum begeistern und mitreißen.

Während also extrovertierte Menschen liebend gern socializen, ihr Umfeld unterhalten und auch ihr Privaltleben offen mit vielen Menschen teilen, konzentrieren sich Introvertierte lieber auf sich selbst. Sie verbringen ihre Freizeit lieber in kleinsten Gruppen, mit engen Freunden oder gar allein mit einem guten Buch. Sie beziehen Ihre Energie aus der Stille und fühlen sich von großen Menschenmassen schnell gestresst. Der Extrovertierte braucht demgegenüber die Bühne und lebt auf, wenn er Publikum um sich herum hat und dieses begeistern kann.

Jung hat es beschrieben – Neurowissenschaftler beweisen es

Erstmals definiert wurden die Persönlichkeitsmerkmale Introversion und Extraversion 1921 von dem Psychologen Carl Gustav Jung. Nach seiner Definition wenden introvertierte Menschen ihre Aufmerksamkeit und Energie stärker auf ihr Innenleben – während Extrovertierte dies eher nach Außen tragen.Allerdings lassen sich die Menschen nicht dierekt den Prototypen eines Extrovertierten oder Introvertierten zuordnen. Vielmehr gibt es viele verschiedene Variationen innerhalb des Spektrums zwischen ganz extrovertiert und ganz introvertiert.

Und mittlerweile müssen wir uns nicht nur die Beobachtungen eines Psychologen stützen. Neuere Untersuchungen zeigen, dass Introversion und Extraversion biologische Realität ist, denn eine neurowissenschaftliche Studie der University of Iowa belegt, dass sich auch die Gehirnaktivität von introvertierten und extrovertierten Menschen unterscheidet.

In Gehirnen von Introvertierten ist der Frontallappen des Gehirns stärker durchblutet. Diese Areal ist u. a. für nach innen gerichtete Tätigkeiten wie Planung, Erinnerung und Problemlösungen zuständig. Bei Extrovertierten hingegen weisen Bereiche einen stärkeren Beanspruchung auf, in denen Sinneseindrücke von außen, wie z. B. Hören oder Sehen verarbeitet werden. Die Studie kommt zum Schluss, dass die Gehirne von introvertierten Menschen bereits im Normalzustand stärker stimuliert sind. Extrovertierte dagegen müssen sich diese Stimulation im Kontakt mit der Außenwelt und den sie umgebenen Menschen suchen. Dies ist in Zeiten von Abstand und Kontaktverbot oft eine besonders schwierige Aufgabe.

Extrovertierte in Corona-Zeiten

Extrovertierte Menschen brauchen grundsätzlich viele soziale Kontakte. Sie sind nicht gern allein, und mehr noch: viele leiden unter der Einsamkeit. Extrovertierte schöpfen ihre Lebensenergie daraus, im Mittelpunkt zu stehen – sie genießen es regelrecht, wenn alle Augen und Ohren auf sie gerichtet sind. Und nun: mit dem Corona bedingten Shutdown sind viele kommunikative Möglichkeiten für extrovertierte Menschen zusammengebrochen. Natürlich können Sie noch telefonieren oder skypen –  jetzt oft mehr und länger als vorher und soziale Medien, um ihr Netz zu pflegen. Aber vielen extrovertierten Menschen fehlen die Gelegenheiten, ihre Batterien aufzutanken, ihre Lebensenergie nachzuladen. Sie drohen im wahrsten Sinne des Wortes einzugehen, ohne ihr Lebenselixier – die anderen Menschen.

 

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